Das „Maschenwunder aus Albstadt“ feiert Geburtstag: Die Relanit wird 30

Das „Maschenwunder aus Albstadt“ feiert Geburtstag: Die Relanit wird 30

Am Freitag, 13. Oktober 2017 jährt sich die Serienreife einer Maschine, die wie kaum eine andere für
unser Unternehmen steht: die Relanit. Sie wurde 1987 auf der ITMA vorgestellt. Die Messe fand
damals in Paris statt und begann am 13. Oktober.

 

Die ITMA 1987 in Paris markierte den Verkaufsstart der Relanit und den Beginn einer jahrzehntelangen Erfolgsgeschichte.

 

Diese Maschinen, die Relanit 4, die Relanit 1 und die Relanit S wurden als technische Sensation
gehandelt, denn sie stellten „ein ganzes System auf den Kopf“, wie es der Schwarzwälder Bote
formulierte. Sie arbeiteten mit einer neuen Technik, der Relativtechnik. Im Gegensatz zur
herkömmlichen Stricktechnik bewegen sich bei der Relativtechnik Nadel und Platine relativ gesehen
aufeinander zu. Bei der herkömmlichen Stricktechnik vollführt die Platine nur eine horizontale
Bewegung, bei der Relativtechnik bewegt sie sich auch auf der Vertikalen, also auf und ab, und damit
der Nadel entgegen.

Vorteile der Relativtechnik

Diese neue Technik hatte – und hat, denn das Prinzip läuft bis heute unverändert – insbesondere
einen großen Vorteil: Wegen der Relativbewegung halbiert sich die Zahl der Umlenkpunkte, die nötig
sind, um eine Masche zu bilden. Das führt dazu, dass das Garn weniger Spannung und damit weniger
Stress ausgesetzt ist. Deshalb kann die Relanit auch schwierige Garne oder solche von geringerer
Qualität anstandslos verarbeiten. Nicht nur in der geforderten Qualität, sondern auch ohne die
Strickgeschwindigkeit drosseln zu müssen. Und ohne vermehrte Stillstandszeiten. Beides wäre
nämlich die Folge, wollte man eine schlechtere Qualität auf einer konventionellen Strickmaschine
verarbeiten. Und weil das Garn der größte Kostenfaktor beim Stricken ist, kann der Stricker mit der
Relanit ganz schnell viel Geld sparen.

Der Weg zur Relanit: Mayer & Cie. macht das Rennen

Im Jahr 1980 stieß Mayer & Cie.-Chefentwickler Ernst-Dieter Plath in Bondorf bei Alfred Buck auf die
von ihm patentierte „Konträr-Technik.“ Damit stellte Buck auf einfonturigen Maschinen mit kleinem
Durchmesser Drahtgestricke her. Plath sah das Potential des Verfahrens für Großrundstrickmaschinen,
denn nach dem Ende des Jacquard-Booms in den Siebzigern zeichnete sich mit legerer
Freizeitmode aus Single Jersey ein neuer Trend ab.

 


Alfred Buck Senior vor dem Modell seiner Erfindung.

 

1982 erwarb Mayer & Cie. eine Lizenz für die Konträr-Technik. Jumberca und Terrot-Vorgänger
Textima zogen mit. Alle drei Unternehmen stellten 1983 auf der ITMA einen Prototyp aus. Bis zur
Serienmaschine war es aber noch ein weiter Weg, denn in der Kompaktheit der Maschine – nur noch
ein Schloßteil für Nadel und Platine – lag auch die Herausforderung. MCT-Versuchsleiter Paul Neher
kämpfte lange mit dem Maschenbild. Mitte der achtziger Jahre gelang ihm mit der richtigen Nadelund
Platinenkulierung zueinander der Durchbruch. Das Patent auf die Relativtechnik, wie
Mayer & Cie. die Erfindung getauft hatte, erhielten die Tailfinger 1986. Damit hatte MCT das Rennen
gemacht: Weder Jumberca noch Textima konnten eine serienfähige Lösung vorstellen.

 


Versuchsleiter Paul Neher (dritter von rechts) begutachtet mit Albstädter Kunden eine Relanit.

30 Jahre jung und topaktuell

Das „Maschenwunder aus Albstadt“ (ZAK, 4.11.1987) verkaufte sich von Anfang an prächtig: Bereits
1990 verließ die 555. Relanit das Werk, Nummer 1.000 folgte etwas mehr als ein Jahr später. Bis
heute wurden mehr als 10.000 Relanit-Maschinen verkauft. Das entspricht rund einem Viertel aller
seit 1987 ausgelieferten Maschinen. Jedes Jahr kommen etwa 300 weitere dazu.
In ihrer aktuellen Auflage, als Relanit 3.2 HS, ist die „Rela“ eine der produktivsten Single Jersey
Maschinen am Markt. Dazu benötigt sie übrigens 30 Prozent weniger Energie als eine herkömmliche
Strickmaschine. So geht Nachhaltigkeit.

Fit für die Zukunft

Und dann ist da noch spinitsystems, die neuste Innovation von Mayer & Cie. Die Relativtechnik ist ein
wichtiger Grund, dass das Spinnstricken funktioniert. Genauer gesagt, dass die Spinit 3.0 E ihre Flyer-
Lunte verarbeiten kann, denn dieses Faserband löst sich bereits bei leichtem Zug oder Reiben auf.
Aber weil die Strickeinheit eine Relanit ist, die das Faserbündel mit weniger Spannung und weniger
Umlenkpunkten verstrickt, wird am Ende flauschiges Spinit-Jersey daraus.


Die Flyer-Lunte ist ein Vorgarn, das sich schon bei leichtem Zug oder Reiben auflöst.

Damit ist die Relanit mit 30 Jahren nicht nur so aktuell wie eh und je, sondern bleibt eine Technik mit
ordentlich Zukunftspotenzial. Happy Birthday, Relanit!